Heat & Defeat: „We divide the good music from the bad“


Im Interview mit uns sprach Nicolas Frick, einer der Macher der Veranstaltungsreihe Heat & Defeat, die auch in Wien zu Hause ist, über die Anfänge, ob bald ein Label folgen wird und wieso das Projekt vom Bodensee in Österreichs Hauptstadt gegangen ist.

Foto: Thomas Haas

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trndmusik: Disturbance of Silence, entente., Klangkiste, Nesta und Cos Eisen – sie alle gehören dem Projekt Heat & Defeat an. Erzählt uns doch zunächst, wieso Ihr das Kollektiv gegründet habt?

Heat & Defeat: Damals vor knapp vier Jahren wurde Heat & Defeat eigentlich eher aus einer kleinen gemeinsamen Party unter Freunden geboren und es war außer mir dort noch niemand aus dem jetzigen Kollektiv dabei. Ich hatte das eher als eine einmalige Sache gesehen, die aus Spaß an der Organisation von Schulparties entstanden ist. Der Name fungierte nur für dieses einmalige Event, aber da die Party mit dem Monkeybreaks Kollektiv, das zu jener Zeit sehr groß in Westösterreich waren, ein voller Erfolg war, wollte ich daran anknüpfen. Ich gründete erstmal auf eigene Faust Heat & Defeat und steckte mein ganzes Erspartes in die Erstellung für das Logo und CI , welches mir damals mein Grafiker und Freund Sven (www.seeseven.de) entworfen hatte und er auch einer der Personen ist, der ich vieles in den letzten vier Jahren zu verdanken habe. Das Kollektiv, so wie es jetzt da steht mit Dani (entente.), Noah (DOS), Consti (Cos Eisen) und meiner Wenigkeit (Nesta), besteht in der Form erst seit Anfang diesen Jahres, aber ich bin wirklich sehr froh, solche tollen Menschen und guten DJs im Team zu haben, die nebenbei auch tolle Tracks und Edits produzieren. Insgesamt sind wir damit sehr gut aufgestellt.

trndmusik: Im Januar 2010 fand im Lindauer Club Vaudeville Eure erste Veranstaltung statt. Könnt Ihr Euch noch daran erinnern? Was für Gefühle hattet Ihr damals? Was wolltet Ihr mit der Veranstaltungsreihe bewerkstelligen?

Heat & Defeat: Oh ja, es ist als wäre es gestern gewesen. Damals war ich Anfang 20 und nun ja, wenn du die Zahlen vor dir hast, was der Spaß so kostet eine Veranstaltung zu finanzieren, schlackern dir da schon die Beine. Dir fehlen ja komplett die Erfahrungswerte und bei finanziellen Misserfolg wäre das nicht gut für mich ausgegangen. Resümierend: Ja, ich hatte natürlich schon Schiss. Wie bei der ersten Frage genannt, wollte ich das eigentlich nur einmalig machen und einfach eine gute Party, bei der das Gesamtkonzept aus Musik, Grafik und Visualisierung in meinem Jugendclub Vaudeville, der eigentlich nicht für elektronische Musik bekannt war, veranstalten.

Mein eigenes Ziel war es aber auch immer, Heat & Defeat eklektisch zu halten. Ich denke mal, am Bodensee sind wir eben für Parties und Konzerte – überwiegend HipHop und Gitarrenmusik – und in Wien für unsere Residency alle zwei Monate im Cafe Leopold, die wir überwiegend mit Deep House Acts aus UK/ Nordamerika bestücken, bekannt. Aber zusammengefasst, trifft es unser Leitspruch: „We divide the good music from the bad“. Nicht dem Hype, sondern mehr der Qualität hinterher. Bei uns spielt es auch absolut keine Rolle, welche Reputation der DJ/Producer in Form von Facebook- oder Soundcloud-Likes hat. Wir buchen einfach das, was wir selber spielen und auch gut finden.

Foto: Thomas Haas

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trndmusik: Vom Bodensee ging’s anschließend weiter nach Österreich, speziell nach Wien. Wieso dieser Schritt?

Heat & Defeat: In erster Linie aus rein privater Natur (lacht). Der österreichische Freundeskreis hat mich, würde ich sagen, nach Wien verschlagen. Vor dem Schritt nach Wien haben wir im Conrad Sohm im österreichischen Dornbirn erstmal für die Großstadt geübt, obwohl man schon ehrlicherweise sagen muss, dass man die zwei Standorte nicht wirklich miteinander vergleichen kann.

Im Endeffekt war es aber eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe, nach Wien zu gehen. Zwischendrin war ich auch bisschen mehr als ein Jahr in Berlin wohnhaft, um das Abitur nachzuholen. Aber nun ja, ich bin wieder dem Ruf Wiens gefolgt und studienbedingt ging es dann wieder zurück für mich.

Zu Wien hatte ich eben immer schon eine ganz besondere Verbindung, meine Herzstadt eben, auch wenn viele Dinge in Wien ein bisserl langsamer laufen. Daran konnte auch Berlin nichts ändern, dessen Vielfalt und Weltoffenheit ich sehr geschätzt habe, aber für mich immer klar war, dass Berlin nur ein Zwischenkapitel sein soll. Eine Zeit lang sollte dort jeder mal verbringen, denke ich, weil der Vibe und Puls der Stadt einfach unglaublich ist.

trndmusik: Nun in Wien angelangt: Was sind Eure nächsten Schritte? Welche Projekte steuert ihr an?

Heat & Defeat: In erster Line zählt natürlich der Ausbau unserer Residency im Leopold, die wir momentan alle zwei Monate bespielen. Da liegt im Moment das Hauptaugenmerk drauf. In Zukunft sind aber auch vereinzelt mehr Konzerte im Indie-Folk-Gitarrenbereich, dass aber eher nebenbei und aus Freude an der Sache läuft. Aber alles step by step, wir lassen es gemütlich angehen. Eine weiterer Punkt, der mir selber ein großes Anliegen ist, dass das ganze Kollektiv auch bei anderen Veranstaltern in Wien spielt und den Namen Heat & Defeat ein bisschen durch die Stadt trägt. Wenn es soweit kommt, dass wir auch mal außerhalb von Österreich von Promotern eingeladen wären, würden wir uns natürlich auch freuen und ebenso von auswärts DJs sowie Kollektive einladen könnten.

trndmusik: Da ihr viele Produzenten in Euren Reihen habt: Wird es auch bald ein Label von Euch geben?

Heat & Defeat: Da bist du nicht der Erste, der nachfragt (lacht). Ja, also Gedanken macht man sich schon oft dazu, weil es wie du schon selber sagst, Sinn machen würde. Momentan fehlt dafür einfach die Zeit, das Wissen und das Netzwerk dazu, um solch einen großen Schritt zu wagen. Aber vielleicht in ferner Zukunft? Ich weiß es nicht. In Wien gibt’s eigentlich ja nur zwei bekanntere Labels wie die „Schönbrunner Perlen“ oder einer meiner Lieblinge, „Luv Shack“, die z. B. in meinen Augen leider total unterschätzt werden. Aber es tut sich was in der Producerlandschaft in Wien. Ich mag die Produktionen von Fabe (Underground Assassins) sowie Woodcut sehr, aber auch meine langwierigen Freunde von Mann&Klamm machen sich sehr gut. Noah (Disturbance of Silence) arbeitet derzeit an einem Remix für die Jungs und auch an anderen Sachen, die ich aber nicht verraten darf. Also wie man merkt, ein weiteres Label hätte sicher Platz.

Foto: Thomas Haas

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trndmusik: Was möchtet Ihr in Zukunft noch erreichen? Habt ihr Träume mit Heat & Defeat, die ihr verwirklichen möchtet?

Heat & Defeat: Wenn ich so Revue passieren lasse, bin ich schon stolz darauf, was aus einer Spaßsache daraus geworden ist. Hätte mir jemand vor vier Jahren gesagt, dass wir in Wien Veranstaltungen machen und regelmäßig internationale Acts buchen, dem hätte ich den Vogel gezeigt. Von Träumen und Zielen wurde ich immer begleitet und sicher da gibt’s welche. Bezüglich Wien wäre das sicher mal eine Party in den zwei großen Clubs zu schmeißen (Grelle Forelle oder Pratersauna). Die zwei sind und werden immer die Big Player in Wien bleiben. In Addition dazu natürlich eventuell mal unsere Lieblings-DJs buchen, die wir uns im Leopold vom Budget her leider nicht leisten können – wer das so ist, wird jetzt aber nicht verraten.

Ein anderer großer Traum wäre natürlich mit den Jungs im deutschsprachigen Raum Fuß zu fassen. Wir sind ja alle noch blutjung (lacht) und hätten natürlich auch Lust in anderen großen Städten wie Hamburg, Berlin, München oder Zürich aufzulegen. Andererseits fördern wir auch gern junge, talentierte DJs, die wir auch gerne mal nach Wien einladen.

trndmusik: Werdet Ihr auch weiterhin Veranstaltungen planen? Wo und wann sind die nächsten geplant?

Heat & Defeat: Also bis jetzt sind wir mal noch dabei. Wir bleiben erstmal im Cafe & Salon Leopold, weil es uns dort sehr gut gefällt und auch andere tolle Veranstalter wie Bande à Part – beiläufig einer unserer Vorbilder in Wien – dort ansässig sind. Wir starten dort am 8. November 2013 mit den Jungs von Deep Dreams recht spät in die neue Saison, aber dafür haben uns nicht lumpen lassen. Cassio Kohl aus UK hatten wir schon länger im Visier, seitdem er „Broken “ releast hat und Steve Huerta stand auch schon länger auf der Liste und da er momentan in London ansässig ist, haben wir gleich mal zugeschlagen. Ich denke , wenn man unser Booking dieses Jahr mit Monte, Cyril Hahn, Urulu und Forrest verfolgt hat, ist diese Amadeus Labelnight die logische Konsequenz und ein gebührender Jahresabschluss.

Anfang nächsten Jahres feiern wir dann unser vier jähriges Bestehen sowie ein 1 Jahr Heat & Defeat im Cafe & Salon Leopold. Da sind wir momentan auf der Suche nach einem angemessenen Act, aber wir werden sicher fündig werden.

Was? Heat & Defeat X Deep Dreams
Wann? Freitag, den 8. November 2013 ab 22:00 Uhr
Wo? Café & Salon Leopold, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Wer? Steve Huerta, Cassio Kohl, Disturbance of Silence, Jon Gravy, Entente. b2b Nesta, Tanzgelüste, Paule b2b Tourist

Wir verlosen 2*2 Gästelistenplätze! Was müsst ihr tun? Entweder schreibt ihr einen Kommentar mit eurer Emailadresse oder ihr schickt einfach eine Email mit eurem kompletten Namen und dem Betreff ( Heat & Defeat! ) an win@trndmusik.de!

Das Interview führte Benjamin Reibert.